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„Der Kontrabass“: Des Musikers Leid und des Zuschauers Freud

Siegen. (sg) „Können Sie mir sagen, wieso ein Mann von Mitte dreissig, nämlich ich, mit einem Instrument zusammenlebt, das ihn permanent nur behindert?“ Solche und eine Fülle anderer Dinge diskutierte der Kontrabassist abwechselnd mit den rund 90 Zuschauern, seinem Kontrabass oder mit seiner Bierflasche.

In der Reihe „Menschen und Kulturen“ präsentierte der Verein für Soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen das erste Theaterstück dieser Saison im „WuP“. Ahmad Nikazar, Mitglied der Kulturabteilung des Vereins und ein erfahrener Regisseur, hat das „Ein-Personen-Stück“ von Patrick Süskind mit dem Kölner Schauspielschüler Lars Oberhäuser einstudiert. Das mehrmonatige Proben hat sich gelohnt. Der Schauspieler brachte die Leidensgeschichte des Musikers überzeugend rüber und das Publikum lachte und fühlte mit.
Über neunzig Minuten hinweg fesselte er die Aufmerksamkeit der Zuschauer, indem er sie immer wieder in seine „Monologe“ verwickelte: „Verstehen Sie, was ich meine?“ - „Was denken Sie?“ Das Publikum war stets aufgefordert, zuzuhören und mitzudenken. Der Darsteller sprach von seinem tristen Leben in einem schalldichten Zimmer und schwärmte von seiner Liebe zu einer Sopransängerin. Dabei steigerte sich der sachliche Vortrag einige Male

zu regelrechten Wutausbrüchen. Und der Zuschauer fragte sich erschrocken, wann er sein Instrument denn (endlich) zertrümmere. Die Frage, wie er die Liebe der besagten Sängerin gewinnen könne, trat immer wieder auf. Denn als Kontrabassist sitzt er im Staatsorchester ganz hinten und sie vorne bei den Solisten. Ein herzerweichender Schrei während der nächsten Vorstellung schien für ihn das beste Mittel, ihre Beachtung zu erhaschen.

Alle Menschen suchen die Liebe

Ahmad Nikazar hat ganz bewusst dieses Stück ausgewählt. Er meint, dass die Situation in der sich der Musiker befindet - seine Suche nach einem Weg aus der Einsamkeit heraus und der Schrei als Ausdruck seiner Gefühle - Kultur- und Glaubensübergreifend sein. Sie könne von Menschen auf der ganzen Welt verstanden werden.