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Wenn ein alter Kontrabass das Sagen hat

Theaterstück von P. Süskind

Siegen. (WP) Patrick Süskinds Theaterstück „Der Kontrabass“ handelt von einem 35-jährigen Mann und seinem Kontrabass, einem kleinen schallisolierten Zimmer und dem Schicksal eines von Liebeskummer geplagten Kontrabassisten zwischen Kunst und Beamtentum.

Der schon als purer Lesestoff urkomische Monolog des Staatsorchester-Kontrabassisten am dritten Pult wurde unter der Regie von Ahmad Nikazar, gespielt von Lars Oberhäuser, zum absoluten Publikumserfolg im WuP.
Schwierig ist die Beziehung zu seinem Kontrabass, der nicht nur einfach das Instrument ist mit dem sich der Orchestermusiker seinen Unterhalt verdient, sondern vielmehr ein Lebensgefährte, und zwar ein ziemlich dominanter wie sich im Verlauf des Gesprächs herausstellt.
Theoretisch sind dem Kontrabass keine Grenzen gesetzt, praktisch schon und da fängt das Dilemma an. Egal bei was, der Kontrabass ist immer eine Behinderung: In der Orchesterhierachie ganz unten, klanglich einfach unmöglich und verkehrstechnisch kaum zu transportieren, verbreitet er auch noch eine Atmosphäre in der Wohnung, die ein Sexualleben unmöglich macht. Und dies sind nur einige Probleme des Kontrabassisten, der sich unsterblich in die Mezzosopranistin Sarah verliebt hat. Eine Verbindung scheint schon auf musikalischer Ebene gar nicht möglich zu sein.

Die einzigen zwei Arien für Sopran und Kontrabass von einem gewissen Sperger scheinen ihm als Grundlage einer Beziehung doch etwas zu dünn: „Anständige Komponisten schreiben einfach nichts für Kontrabass. Das gehört sich einfach nicht. Und wenn sie es doch tun, dann bloss aus Witz.“
Einen undankbaren Beruf hat der Musiker und ausserdem wird er auch noch schlecht bezahlt. Der einzig positive Punkt ist der Beamtenstatus - ein Rausschmiss ist einfach unmöglich. Doch selbst dieser Vorteil wird für den Kontrabassisten zur Neurose, denn er bekommt Angst vor dieser beruflichen Sicherheit und traut sich manchmal gar nicht auf die Strasse.

Probleme über Probleme, und bei allem steht der Kontrabass im Weg. Der Grund seines Schicksals liegt schon in der Kindheit begründet: „Dominater Vater, Beamter, unmusisch; schwache Mutter, Flöte, musisch versponnen; Ich als Kind liebe die Mutter abgöttisch; die Mutter liebt den Vater; der Vater liebt meine kleine Schwester; mich liebt niemand.“ Und so vergewaltigt der Kontrabassist in Beamtengestalt jeden Tag die eigene Mutter in der weiblichen Form des Kontrabasses.

Die Inszenierung liess das Publikum erfolgreich über kleine gesellschaftliche Abgründen, selbstgemachte Neurosen und Probleme und Ansichten zur Musikgeschichte lachen.