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Ort von Ekstase und Schrecken

Theater-51grad.com wird sesshaft

In dem Stück „...und am 7. Strom liegt Onassis“ gibt es viel wunderbar schrägen Humor zu erleben.

„Einmal Betreuung durch unseren Reiseleiter Onassis. Einmal Verführung und Verlockung. Einmal rituelle Waschung. Einmal Vergessen Ihres Alltags“, verspricht das theater-51grad.com den Kunden seiner „theatralen Reiseführung“. Versprechen kann man bekanntlich viel. Doch hinter dem mysteriösen Titel „...und am 7. Strom liegt Onassis“ verbirgt sich tatsächlich ein staunenswertes Theaterexperiment für jedermann - also keineswegs nur für ein geübtes und von den üblichen Reizen gelangweiltes Publikum. Gleichgültig, wie viel oder wie wenig man schon gesehen hat: Hier lernt man das Staunen. Seine neue Heimat, eine stillgelegte Briefumschlagstelle am Gladbacher Wall, hat das Theater in einen Ort der Schrecken und der Ekstase verwandelt. Durch ein Labyrinth finsterer Gänge und gleißender Hallen gelangt man geradenwegs in die griechische Unterwelt, zum Fluss Lethe. Verloren wäre man hier ohne die Reiseleitung des Weltenwanderers Onassis; man schaue hinweg über seine Gelfrisur, ignoriere die Ouzofahne und gebe sich vertrauensvoll in seine Hand.

Er kennt die Wege des Erinnerns und Vergessens, weiss die Monster des Hades zu zähmen und vor dem Lockruf der Sirenen die Ohren zu verschliessen. Denn namenlose Gefahren harren der Reisenden in diesen Sphären, in denen die Toten zu sprechen beginnen, Arme aus den Wänden wachsen und der Boden schwankt, während liebestolle Babylonier uns zum Dienst an der Göttin Mylitta rufen! Das Projekt von Rosi Ulrich und Susanna Enk umkreist die Mythen des Vergessens in Schleifen und Volten, getragen von wunderbar schrägem Humor. Vier Künstler haben mit Installationen die Hallen der alten Post in Erinnerungstunnel verwandelt, in Kammern der rituellen Waschung, Räume des Todes und der Versuchung.
Fabelhafte Darsteller (Antje Mairich, Katrin Nowak, Gabriella Weber, Stefan Lehnen, Lars Oberhäuser), eine ebenso krude wie beglückende Mischung von Geisterbahn und Beschwörung des Lebens, Himmel- und Höllenfahrt, Begegnung mit den eigenen Ängsten und Sehnsüchten - und ein fulminanter Auftakt für das theater-51grad.com.